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Körpernähe und Geborgenheit

27.07.2021

Unmittelbar nach der Geburt ist das Gehirn des Kindes noch «roh». Seine vielen Milliarden Hirnzellen sind noch nicht verbunden und nutzen jetzt jede Gelegenheit, jeden Sinneseindruck, um sich zu vernetzen. Erfährt ein Kind in dieser intensiven Zeit der Vernetzungen viel Nähe, Liebe und Verständnis von seinen Eltern, baut sich ein ganz anderes Gerüst seines Charakters unter Einfluss von Glückshormonen auf, als wenn es unter Angst, Stress und Einsamkeit unter dem Einfluss von Stresshormonen steht.

Unsere Menschenkinder kommen als physiologische Frühgeburten auf die Welt. Im Laufe der Evolution stand der erste Vorfahr des modernen Menschen, der Homo erectus, auf zwei Beinen. Die so gewonnene Freiheit der Hände führte zu einem intellektuellen Fortschritt, die eine Vergrösserung des Kopfumfanges zur Folge hatte. Gleichzeitig bewirkte diese aufrechte Haltung eine Verengung des Beckens und des Geburtskanals. Aus diesen Gründen werden unsere Kinder unfertig geboren und sind in den ersten Monaten auf Zuwendung, Unterstützung und eine tiefe emotionale und körperliche Bindung zu ihren Bezugspersonen angewiesen (Sunderland 2006: S. 20–21). Ein neugeborenes Kind ist absolut hilflos. Sein Instinkt gibt ihm grundsätzlich drei lebensbedrohende Situationen vor, in denen es Alarm schlagen soll, da diese Bedrohungen um jeden Preis zu verhindern sind. Deshalb hat das Baby eine kräftige Stimme, um seine wichtigsten Lebensgarantien verlangen zu können: Nahrung, Wärme und Schutz.


Gerade deshalb braucht ein Baby mindestens in den ersten drei Monaten möglichst rund um die Uhr Körpernähe und Schutz. Als würde man für das Kind die Schwangerschaft weiterführen. Es ist unmöglich, ein Baby durch zu viel Nähe zu verwöhnen. Im Gegenteil, je mehr Nähe und Geborgenheit ein Baby in den ersten Monaten erfährt, umso besser kann es sich später, wenn es reif dafür ist, von seinen Eltern lösen. Die Beziehung zu seinen Eltern ist eine Selbstverständlichkeit. Es weiss, dass es nicht dafür kämpfen muss, es darf jederzeit in die schützenden Arme zurückkehren, also kann es sich auch ohne Angst aus diesem Schutz wegbewegen. Tragen, Stillen, Kuscheln sollten die erste Zeit vorherrschen. Das Baby definiert sich über seine Aussengrenze, also über seine Haut. Deshalb ist es sehr empfänglich für eine entspannende Massage zum Beispiel mit Lavendelöl und danach in ein warmes Tuch eingepackt auf der Brust der Mutter oder des Vaters dieses wunderschöne Gefühl einfach zu geniessen.

 

Nach so einem Start bleibt es später im Unterbewusstsein des mittlerweile grösseren Kindes verankert, dass es immer in dem schützenden Nest seiner Familie aufgehoben ist. Das so gewonnene Vertrauen zu seinen Eltern ist unerschütterbar, egal ob es in der Schule unter einem Problem leidet oder ob es sonst Sorgen hat. Bei Unwohlsein oder Grippe eine liebevolle Massage im Brustbereich mit Eisbäröl (Alpmed) und danach in ein warmes Tuch eingepackt zu werden; bei Kopfschmerzen eine kühlende Kompresse mit einem Wiesengeissbarttüchlein und das alles begleitet mit liebevoller Zuwendung und «sich Zeit nehmen». So erfährt das Kind wie wichtig und wertvoll es für seine Eltern ist, auch wenn es ihm vielleicht einmal nicht gut geht. Das ist heilsam und stärkt das Vertrauen des Kindes für sein gesamtes Leben.

 

Unmittelbar nach der Geburt ist das Gehirn des Kindes noch «roh». Seine vielen Milliarden Hirnzellen sind noch nicht verbunden und nutzen jetzt jede Gelegenheit, jeden Sinneseindruck, um sich zu vernetzen. Es ist so gestaltet, dass es sich seiner speziellen Umgebung anpassen kann (Sunderland 2006: S. 22–24). Erfährt ein Kind in dieser intensiven Zeit der Vernetzungen viel Nähe, Liebe und Verständnis von seinen Eltern, baut sich ein ganz anderes Gerüst seines Charakters unter Einfluss von Glückshormonen auf, als wenn es unter Angst, Stress und Einsamkeit unter dem Einfluss von Stresshormonen steht. Deshalb hat der sorgfältige und bewusste Umgang der Eltern mit ihrem Kind in den ersten Monaten Konsequenzen für sein gesamtes Leben. Ich wage sogar noch weiter zu behaupten, dass wenn alle Kinder in Liebe und Geborgenheit hineingeboren und aufwachsen dürften, ihre emphatischen Fähigkeiten die gesamte Gesellschaft prägen könnten.

 

Ein Baby bringt trotz seiner körperlichen Hilflosigkeit schon von Anfang an viele kommunikative Kompetenzen mit. So versucht zum Beispiel ein Baby schon ab der Geburt mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu zeigen, wann es stuhlen muss. Es wird unruhig, stösst sich eventuell während des Stillens von der Brust ab, verzieht sein Gesicht, rudert mit den Beinchen und Ärmchen, weint und drückt und bekommt ein hochrotes Köpfchen. In unserer industrialisierten Welt haben wir jedoch seit Generationen verlernt, auf diese Zeichen zu achten, da wir und auch unsere Eltern bereits mit Windeln grossgeworden sind. Deshalb denken wir, das Baby habe jetzt einfach Bauchweh oder benennen das Phänomen als «3-Monats-Koliken». Würden wir jedoch dieses Zeichen richtig interpretieren und das Kind auspacken, mit Zuspruch motivieren und über ein Lavabo halten, würde es augenblicklich aufhören zu weinen, könnte sich auf das Drücken konzentrieren und so sein «Geschäft» verrichten. Ich staune immer wieder, wie gut das klappt und wie beeindruckt viele Eltern sind, wenn sie erkennen, dass sie ihr Baby bis anhin unterschätzt haben.

 

Diese und andere Lernfenster nennen sich auch «sensible Phasen» und sind während einer begrenzten Zeit vorhanden. Dasselbe gilt zum Beispiel auch für das Gefahrenbewusstsein. Wird vonseiten der Eltern aus Unwissenheit oder Ignoranz nicht darauf eingegangen, verschliesst sich das Zeitfenster wieder und das Nichtgelernte muss später über den Intellekt neu gelernt und vernetzt werden. Ob etwas während der entsprechenden sensiblen Phase über den Instinkt abgespeichert wird oder später über den Intellekt, hat vor allem in der Prioritätenliste des Kindes einen unterschiedlichen Stellenwert. Dies wird vor allem relevant, wenn das Kind mit Gummibärchen–Bestechung seine Reinlichkeit lernen muss oder wenn beim Spiel der Ball auf die Strasse rollt (Messmer 2004: S. 43–75).

 

Ähnlich verhält es sich mit dem Erlernen der Sprache. Ein Kind muss vor dem zehnten Lebensjahr dem Einfluss einer Sprache ausgesetzt sein, um Sprechen zu lernen. Sonst ist es zu spät und eine nach der Pubertät erlangte Sprachfähigkeit bleibt meist ein Leben lang unzureichend (Solter 1984: S. 126–127).

 

Kleine Kinder sind bis etwa sechsjährig in einem dauerhaften hypnotischen Zustand. Ihre Hirnfrequenz befindet sich bis etwa zweijährig im Delta-Zustand (0,5–4 Hz), was bei den Erwachsenen in tiefster Entspannung und im Schlaf der Fall ist. In diesem Delta-Zustand ist der innere Kritiker ausgeschaltet, die Gehirnaktivität befindet sich im tiefsten Bereich des EEG und nimmt somit ungefiltert alles mit allem seinen Sinnen direkt und ungefiltert ins Unterbewusstsein auf. Erst mit der Zeit entwickeln sich auch die anderen Bewusstseinszustände stufenweise. Ab dem dritten Lebensjahr bis etwa sechsjährig steigert sich die Gehirnaktivität in den Theta-Zustand (4–8 Hz), was bei einem erwachsenen Menschen einem Zustand der Träumerei entspricht. Mit diesem Zustand arbeiten auch Hypnosetherapeuten, um neue Verhaltensweisen direkt ins Unterbewusstsein einzuspeichern. Das Kind verbringt diese Phase in einer Mischung aus realer und erträumter Welt. Danach steigt die Hirnfrequenz allmählich in den Alpha-Zustand (8–12 Hz), was einer entspannten Bewusstheit entspricht.

 

Erst etwa ab zwölf jährig ist das Gehirn des Kindes in der Lage, alle Frequenzbereiche zu produzieren und auch den Beta-Zustand (12–35 Hz) zu erreichen. Erst im Beta-Zustand kann das Kind sein Umfeld kritisch wahrnehmen und eine eigene Einschätzung gegenüber seiner Umwelt erlernen. Erst jetzt setzt der analytische Verstand und die Selbstbewusstheit ein.

 

Das bedeutet, dass ein Kind in seinen ersten sechs Jahren von seiner Umwelt programmiert wird, ohne dass es differenziert und kritisch denken kann. Dieses Wissen kann ein riesiges Potenzial sein aber auch katastrophale Konsequenzen haben. Das Umfeld, der verbale und nonverbale Umgang, die Geborgenheit, schützende Körpernähe oder das Fehlen derselben haben drastische Konsequenzen auf die gesamte Weiterentwicklung des Menschen. Sind wir doch als Erwachsene bis zu 95 Prozent von unserem Unterbewusstsein gesteuert (Lipton – Bhaerman 2009: S. 64–72).

 

Was wäre, wenn sich alle Eltern bewusst werden würden, dass ihre Worte und Handlungen direkt vom Unterbewusstsein ihres Kindes abgespeichert werden?

Andrea Rytz, Medizin

An der Hotline schätze ich den direkten Kontakt zu unseren Kunden und gebe gerne Auskunft auf die vielfältigen Fragen zu unseren Produkten und deren Anwendung