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Vitamin D und Sonnencreme

29.06.2021

Die Bedeutung von Vitamin D für das Immunsystem und für das Risiko von viralen Infektionen ist seit langem bekannt und wird dennoch vor allem in der Gesundheitspolitik nicht beachtet.

Es existieren mittlerweile so viele wissenschaftliche Beweise für einen Nutzen von Vitamin D bei viralen Atemwegsinfektionen im Allgemeinen und Covid-19 im Besonderen in allen Stadien der Erkrankung (von primärer Prävention bis zur Intensivstation), dass alles getan werden muss um ausreichende Vitamin D Spiegel im Blut zu gewährleisten.

2016 erforschte das RKI (Robert Koch-Institut) die Häufigkeit von Vitamin D-Mangel bei deutschen Erwachsenen. Danach befinden sich 61,5 % im Vitamin D-Mangel (< 50 nmol/l), 30,2 % weisen sogar einen schweren Vitamin D-Mangel (< 30 nmol/l) auf. Dabei gibt es erhebliche saisonale Unterschiede. Während im Sommer «nur» etwa 10 % einen schweren Mangel aufweisen, sind es im Winter mehr als 50 %. Vitamin-D-Mangel erhöht nachweislich das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen und führt zu Knochenwachstumsstörungen im Kleinkindalter. Bekannt ist auch, dass Ungeborene, deren Mütter an Vitamin-D-Mangel leiden, als Kinder häufiger bestimmte Autoimmunkrankheiten wie die

Zuckerkrankheit entwickeln können.

Das «Sonnenvitamin» Vitamin D3 ist letztendlich kein Vitamin sondern ein Prohormon, das der Körper in erster Linie aus ultraviolettem Licht bildet. Mehr als 2/3 des Vitamin D generiert der Körper aus Licht, der Rest wird über die Nahrung aufgenommen.

Schon vor 100 Jahren wurde erkannt, dass Kinder, die (in den lichtarmen und dicht bebauten Arbeitervierteln) zu wenig Sonnenlicht bekamen, zu Rachitis neigten, was sich in Wachstumsstörungen und starken Knochenverformungen äusserte.

 

Das in der Haut aufgebaute Cholesterol wird dabei unter Sonnenlichteinfall in das Provitamin D umgewandelt. Dieses »Lichthormon« gelangt über das Blut in die Leber, wo es als Vitamin D3 gespeichert wird. In einem weiteren Schritt kann es in der Niere und anderen Organen zu aktivem Vitamin D3 umgewandelt werden. Für die Vitamin-D-Bildung spielen also zum einen das Sonnenlicht, und zum anderen das Alter sowie Gesundheit von Leber & Niere eine entscheidende Rolle. Für die Vitamin D Bildung via Sonnenlicht ist eine Mindest-Intensität der Sonneneinstrahlung notwendig, ein UV Index von mindestens 3 (=mittel/mässig).

 

Bei Badebekleidung, ohne Sonnenschutzmittel, im Sommer und unter freiem Himmel kann der Körper in  weniger als einer Stunde Vitamin D in einer Menge produzieren, die in etwa der Einnahme von 10.000 bis 20.000 IE entspricht. Wird die Besonnung fortgesetzt, wird ein Teil des Prävitamin D3 wieder zu unwirksamen Molekülen abgebaut – ein wirksamer Schutz des Körpers gegen eine Überdosierung mit Vitamin D durch die Sonne.

 

Die Produktion über die Sonne ist dabei sehr viel nachhaltiger als bei Vitamin- D-Aufnahme über Lebensmittel oder Präparate: Der Vitamin-D-Spiegel im Blut bleibt nach Vitamin-D-Produktion über die Haut signifikant länger erhöht als bei oraler Einnahme. (1)

 

Die beste Zeit für die Bildung von Vitamin D ist von März bis Oktober, jeweils etwa zwischen 10 und 15 Uhr. Im Hochsommer und in südlichen Ländern kann man die heißen Mittagsstunden aussparen.

 

Sonnencreme blockt ungefähr 95 Prozent der Sonnenstrahlung ab und verhindert somit auch, dass die für die Vitamin-D-Bildung wichtige UV-B-Strahlung in die tieferen Hautschichten vordringen kann. Dies geschieht bereits ab einem Lichtschutzfaktor von 8. Deshalb sollte man lieber kurz (ohne Creme) und öfter in die Sonne gehen, statt lediglich 2 Wochen im Jahr durchgängig am Strand zu verbringen. Geht man am Wohnort regelmässig ins Freie, passt sich die Haut bei den meisten (ausser bei sehr hellhäutigen) Menschen der jeweiligen Jahreszeit an und das Sonnenbrandrisiko nimmt stark ab. Präzisere Zeitangaben sind nicht möglich, da die erforderliche sowie verträgliche Verweildauer sehr vom individuellen Hauttyp, dem Wohnort und der Lichtintensität abhängen.

 

Im Allgemeinen gilt: Wer 3 × pro Woche z.B. Hände, Arme und Gesicht von der Sonne bescheinen lässt, so lange, dass es gerade nicht zu einem (leichten) Sonnenbrand kommt, der wird ausreichend Vitamin D bilden, ohne sich einem Risiko für Hautkrebs auszusetzen. Allerdings gibt es Menschen, die konstitutionell, aufgrund ihres Alters oder krankheitsbedingt nur wenig Vitamin D bilden. Dies sollte im Einzelfall durch eine Blutabnahme geklärt und evtl. behandelt werden. Umgekehrt bleibt eine geeignete Sonnencreme wichtig bei Reisen an Orte mit hoher Sonnenexposition, bei unvermeidlich zu langer Sonnenexposition (z.B. Geburtstagsfeier am Strand) oder sehr starker Lichtempfindlichkeit.

 

Sonnenschutzmittel verhindern nicht nur die Vitamin-D-Synthese, sie haben auch zahlreiche negative Nebenwirkungen. Die Durchtränkung der oberen Hautschichten mit Chemikalien führt in der Reaktion mit dem Sonnenlicht zu einer sehr starken Bildung von aggressiven freien Radikalen, welche die Haut angreifen und Zellen schädigen.

 

Die Sonne ist unsere wichtigste Quelle für Vitamin D. Wenn möglich, sollte davon im Sommer reichlich, aber bewusst Gebrauch gemacht werden. Im Winter und wo dies aufgrund der Lebensumstände oder Arbeitszeiten nicht möglich ist, sind Vitamin-D-Präparate die günstigste und sicherste Methode zur Vitamin-D-Versorgung. Im Winter ist allen Menschen die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten nahezulegen, da die Körperspeicher sich sonst bis zum Ende des Winters erschöpfen, was die Risiken für zahlreiche Krankheiten erhöht.

 

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Literatur:

1) Holick, Michael F. Vitamin D: extraskeletal health. Endocrinology and metabolism clinics of North America, 2010, 39. Jg., Nr. 2, S. 381-400.

Andrea Rytz, Medizin

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