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Wissen ebi-aktuell Aromatherapie, die Kraft der Düfte und Öle

Aromatherapie, die Kraft der Düfte und Öle

Aromatherapie ist beliebt, weil die verströmten Gerüche und ätherischen Öle nicht nur auf die Seele wirken, sondern auch positive Effekte auf den Körper haben. Schon die alten Hochkulturen im Mittel­meerraum und in Asien wandten Aromapflanzen für therapeutische und rituelle Zwecke an.

Quelle: von Tanya Karrer | Millefolia.ch

Frau riecht am Lavendel

Aromatherapie basiert auf uraltem Wissen

Menschen haben ein feines Näschen. Ob angenehm oder unangenehm, Düfte kitzeln nicht nur unsere Riechnerven, sie berühren uns auch innerlich. Diese Wirkung macht sich die Aromaätherapie zunutze und wendet die volatilen Geruchsstoffe zugunsten der Gesundheit und des Wohlbefindens an.

Die Aromatherapie basiert auf uraltem Wissen aus verschie­den­sten Teilen der Welt. In unseren Breiten­graden zählt sie zur Phytotherapie, also zur Pflanzenheilkunde – sie nutzt aus Pflanzen gewon­nene äthe­rische Öle als Therapeutika.

«Die Aromatherapie nutzt aus Pflanzen gewonnene ätherische Öle.»

Die Wirkung entfaltet sich meist eingeatmet über die Nase. Jürg Horlacher, Geschäftsführer der Firma Aromalife AG im Bernischen Utzenstorf, ist Experte für die Entwicklung der pflanzlichen Duftstoffe. Er erklärt den olfaktorischen Wirkprozess folgendermassen: «Wird der Duft eines ätherischen Öls eingeatmet, gelangt er über die Riechzellen ins limbische System. Dieser Bereich des Gehirns ist unter anderem für die Verarbeitung von Emotionen zuständig. Man geht davon aus, dass im limbischen System Dufterinnerungen verankert sind. Das Einatmen eines bestimmten Geruchs reaktiviert sie und veranlasst den Körper, entsprechende Hormone auszuschütten oder zu regulieren.»

Lavendel beruhigt, Thymian desinfiziert

Die Vielfalt der zur Verfügung stehenden naturreinen Öle ist riesig. Der feine Lavendel ist am besten bekannt, er wirkt beruhigend und angstlösend. Er ist eines der wenigen Öle, das auch direkt auf die Haut aufgetragen werden kann. Die meisten anderen Düfte entfalten ihre therapeutische Wirkung über Vernebler, die die Moleküle in die Luft übertragen. Aromatherapie kann nicht nur das psychische Wohlbefinden verbessern, sondern durchaus auch das physische. Eukalyptus und Thymian beispiels­weise wirken desinfizierend und antiviral.

«Eukalyptus und Thymian wirken desinfizierend und antiviral.»

 Während der Covid-Pandemie seien die Verkaufszahlen dieser ätherischen Öle deshalb um ein Drittel angestiegen, sagt Horlacher. «Im Prinzip könnte man eine Praxis anstatt mit Desinfektionsmitteln auch mit Thymian desinfizieren.»

Wohlbefinden bei Krebserkrankungen steigern

Auch die Wissenschaft zeigte in den vergangenen Jahren ein zunehmendes Interesse an der Aroma­therapie. Viele, zwar noch kleine, Einzelstudien deuten darauf hin, dass an dem alten Wissen um ätherische Öle tatsächlich etwas dran ist. Grosse Übersichtsstudien mit eindeutigen Resultaten fehlen allerdings noch. Dennoch empfiehlt das amerikanische National Cancer Institute die begleitende Aromatherapie gerade bei Krebserkrankungen. Sie habe das Potenzial, das körperliche, emotionale und spirituelle Wohlbefinden von Krebspatientinnen und -patienten zu fördern.

Der Vorteil der ätherischen Öle liegt auf der Hand: Sie sind, vor allem wenn eingeatmet, kaum toxisch. «Allerdings sollte man die meisten Öle immer verdünnt auftragen, da ansonsten Allergien entstehen könnten», ergänzt Jürg Horlacher. Die Ausnahme: das Öl des echten Lavendel.

Ätherische Öle enthalten bis zu 200 Wirkstoffe

Die naturreinen Öle, Raumsprays und Duftkosmetika werden unter strengen Kriterien angebaut, erläutert Horlacher. Dies ist ein aufwändiger Prozess. Am häufigsten wird das ätherische Öl, das bis zu 200 Wirkstoffe enthalten kann, durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Der heisse Dampf trennt das Öl von Blüten, Wurzeln, Früchten, Holz, Rinden oder Schalen. Neben dem abge­schöpften Öl bleibt auch Pflanzen­wasser zurück, das sogenannte Hydrolat.

Hydrolate sind etwas sanfter als die ätherischen Öle. Aber auch im Pflanzenwasser sieht Horlacher Potenzial für die Kosmetik und Gesundheitspflege der Zukunft. Denn: «Düfte spielen in unserem Leben eine zentrale Rolle. Von der Geburt bis zum Tod.»


Kleines ABC der ätherischen Öle und ihrer Wirkung

  • Anis: Verdauungsfördernd, unterstützt die Atemwege
  • Bergamotteöl: Beruhigend, stimmungsaufhellend, Stress-abbauend
  • Eukalyptusöl: Erfrischend, schleimlösend, unterstützt die Atemwege
  • Geranienöl: Ausgleichend, entzündungshemmend, unterstützt die Hautgesundheit
  • Lavendelöl: Beruhigend, schlaffördernd, hilft bei der Wundheilung
  • Lemongrasöl: Erfrischend, stimmungsaufhellend, insektenabwehrend
  • Majoranöl: Entspannend, krampflösend, unterstützt die Verdauung
  • Melissenöl (Zitronenmelisse): Beruhigend, angstlösend, unterstützt die Verdauung
  • Pfefferminzöl: Erfrischend, kühlend, unterstützt die Konzentration
  • Rosmarinöl: Anregend, konzentrationsfördernd, unterstützt die Durchblutung
  • Sandelholzöl: Beruhigend, ausgleichend, unterstützt die Meditation
  • Teebaumöl: Antiseptisch, entzündungshemmend, unterstützt die Hautgesundheit
  • Thymianöl: Stärkend, immunstimulierend, unterstützt die Atemwege
  • Ylang-Ylang-Öl: Entspannend, stimmungsaufhellend, aphrodisierend
  • Zitronenöl: Erfrischend, stimmungsaufhellend, reinigend
  • Zypressenöl: Beruhigend, ausgleichend, unterstützt die Atmung

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 Bilder: Elly Johnson – Unsplash.com / NordWood Themes – Unsplash.com / Enecta – Unsplash.com / Fulvio Ciccolo – Unsplash.com


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Tags zum Bericht:
Aromatherapie Unternehmenskommunikation

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