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Wissen ebi-aktuell Die Misteltherapie als etablierte Ergänzung in der Brustkrebsbehandlung

Die Misteltherapie als etablierte Ergänzung in der Brustkrebsbehandlung

Der Oktober gilt weltweit als Aufklärungs­monat für Brust­krebs – sein Symbol ist die rosa Schleife. In der Schweiz erkranken jährlich 6200 Frauen am soge­nannten Mamma­karzinom. Der Heilungserfolg hat sich in den vergan­genen Jahr­zehnten dank moderner Thera­pien deutlich verbessert – eine wichtige Rolle kommt der Heil­pflanze Mistel zu.

Quelle: www.millefolia.ch

Frau Brustkrebs

Viele Krebs­patientinnen leiden unter den Folgen der konven­tionellen Krebs­thera­pien. Sie klagen unter anderem über Fatigue, Schlaf­störungen, Depres­sionen und Appetit­losigkeit. Hier kommt die Mistel­therapie zum Zug: Sie kann die Neben­wir­kungen lindern und den Thera­pie­verlauf verbes­sern. «Generell wird die Mistel ausgezeichnet vertragen und trägt zur Verbes­serung der Lebens­qualität bei Krebs­patien­tinnen bei. In ausser­gewöh­nlichen Fällen können aller­dings aller­gische Reak­tionen auf­treten. Dann muss man die Mistel absetzen», sagt Priv.-Doz. Dr. med. Daniela Paepke, Ober­ärztin am Zentrum für inte­grative, komple­men­täre Medizin & TCM im Spital Zolliker­berg.

Weniger Müdig­keit, Appetit­losigkeit und Schmerzen

Die Mistel (Viscum album L.) ist ein Halb­schmarotzer und gehört zur Familie der Sandel­holz­gewächse. Sie wurzelt nicht in der Erde, sondern wächst auf Bäumen. Von ihnen bezieht sie Wasser und Nähr­stoffe. Deshalb ist die Mistel stark von ihrem Wirts­baum geprägt, nimmt sie doch spezi­fische Inhalts­stoffe von ihm auf. Drei­zehn Wirts­bäume werden bisher in der Krebs­therapie genutzt.

«Die Mistel ist die am gründ­lich­sten erforschte Pflanze in der Komple­mentär­medizin»

«Die Mistel ist die am gründlichsten Pflanze in der Komple­mentär­medizin», sagt Paepke. Zahl­reiche Studien und Meta­analysen würden die gute Verträg­lichkeit und Wirk­samkeit bestä­tigen; ebenso, dass die Wirkung der klas­sischen Thera­pien nicht beein­trächtigt wird. Paepke beo­bachtet an ihren Patien­tinnen, dass sie weniger an Müdig­keit, Schlaf­störungen und Appetit­losig­keit leiden. «Oft verringern sich auch Schmerzen, und die Betrof­fenen haben mehr Energie.» Darüber hinaus wirkt eine Mistel­therapie durch­wärmend. «Das empfinden viele Krebs­kranke als beson­ders ange­nehm, denn sie frieren oft.»

Wie die Mistel wirkt: 600 pharma­kologisch aktive Stoffe

Seit der Antike als Heil­pflanze geschätzt und heute insbe­sondere in der Krebs­therapie im Einsatz: Die Mistel.

Studien belegen, dass Mistel­extrakte das Immun­system anregen, Tumor­zellen schä­digen und die Erb­substanz schützen können. Zurück­zuführen ist das auf ein kom­plexes Wirkstoff­gemisch: Mistel­extrakte enthalten rund 600 pharma­kologisch aktive Stoffe, darunter Mistel­lektine und Viso­toxine, die in Labor­versu­chen das Wachstum von Krebs­zellen hemmen oder sie gar abtöten können. Zudem stimu­lieren sie das Immun­system. Ihre Konzen­tration variiert je nach Unter­art der Mistel sowie nach Jahreszeit und Wirts­baum, auf dem sie wächst.

Möglichst früh mit der Mistel­therapie beginnen

Der Mistel­extrakt wird mittels Injek­tion verabreicht. Dabei wird, ähn­lich wie bei einer Insulin­injek­tion, in die Unter­haut gespritzt (subkutan), in den Bauch oder ins Bein. «Ich appli­ziere die erste Gabe immer in meiner Sprech­stunde, um zu sehen, wie die Patientin reagiert, und um ihr zu zeigen, wie man die Ampulle aufzieht und spritzt.

Die Mistel­therapie als Unter­stützung bei der Krebs­behand­lung ist in der Grund­ver­sicherung veran­kert und wird von dieser erstattet.

Nachdem Patien­tinnen ange­leitet wurden, führen sie das selbst­ständig zwei- bis dreimal pro Woche durch», erläutert die Ärztin Daniela Paepke. Idealer­weise wird mit einer Mistel­therapie so früh wie möglich begonnen. Eine Wirkung tritt erst nach einigen Wochen ein. Die Mistel­therapie als Unter­stützung bei der Krebs­behand­lung ist in der Grund­versicherung veran­kert und wird von dieser erstattet.

Von den Anfängen der Mistel­therapie zur modernen Forschung

Schon in der Antike wurde die Mistel als Heil­pflanze einge­setzt, bei den kelti­schen Druiden galt sie gar als All­heil­mittel. Anfang des 20. Jahr­hun­derts sprach Rudolf Steiner, der Begründer der Anthropo­sophie, in seinen Vorträgen über die Heil­kraft der Mistel. Die Ärztin Ita Wegman griff seine Impulse auf und entwickelte daraufhin 1917 zusammen mit dem Apo­theker Adolf Hauser das erste Mistel­präparat namens «Iscar». 1935 grün­dete Ita Wegman in Arles­heim (BL) den Verein für Krebsforschung, der noch heute an der konti­nuier­lichen Weiter­ent­wicklung der Integra­tiven Krebs­behand­lung und speziell der Mistel­therapie arbeitet.


Gut aufbe­rei­tete Patienten­infor­mationen zur Mistelt­herapie finden Sie auch unter:

www.mistel-therapie.de

Weitere Millefolia-Artikel zum Thema integrative Krebsbehandlung:

Integrative Onkologie: Den Menschen als Ganzes wahr­nehmen

Integrative Medizin – das Beste aus zwei Welten


Buchtipp:

Dr. med. Daniela Paepke und Anna Cavelius – Beschwerde­frei durch die Krebs­therapie. GU Ratgeber Gesund­heit, 2018
Wussten Sie, dass die Mistel die best­erforschte Heil­pflanze ist?

Haben Sie schon mit einer Mistel­therapie Erfah­rung gemacht? Teilen Sie Ihr Wissen mit den anderen Mille­folia-Leser­innen und -lesern!
redaktion@millefolia.ch


Bilder:
Anna Tarazevich ― Pexels.com / zVg, Frau Daniela Paepke / Annie Spratt ― Pexels.com

Quelle:www.millefolia.ch

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