Digitale Demenz – wie können wir verhindern, dass wir durch die ständigen digitalen Ablenkungen geistig einrosten
Navigationsapps sagen uns, wo wir langgehen sollen, KI schreibt für uns Texte und liefert uns Antworten auf fast alle Fragen, die wir ihr stellen, Suchmaschinen liefern uns Informationen in Sekundenschnelle und soziale Medien versorgen uns pausenlos mit mehr oder weniger wichtigen Informationen. Noch nie war Wissen so schnell verfügbar. Doch was macht das eigentlich mit uns und unserem Gehirn, wenn wir weniger nachdenken müssen? Rosten wir dadurch geistig ein? Und wie verändert sich unser Denken? Einfache Antworten gibt es darauf nicht, das Thema ist komplex. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass wir nicht machtlos sind, sondern es selbst in der Hand haben unser Gehirn immer wieder herauszufordern und damit fit zu halten.

Digitaler Overload
Ein wichtiger Punkt in der Forschung um den Einfluss von digitalen Medien auf unser Gehirn ist die Aufmerksamkeit. Unser Gehirn ist nämlich nicht dafür gemacht dauernd unterbrochen und die ganze Zeit stimuliert zu werden. Aber genau dies geschieht, wenn wir ständig auf unserem Handy rumscrollen und swipen. Dadurch ist unser Belohnungssystem im Gehirn aktiviert, der Körper schüttet ohne Unterbruch das Glückshormon Dopamin aus und im Gehirn zeigt sich dann ein ähnliches Muster wie bei Süchtigen: Wir wollen noch mehr davon und schaffen es nur schwer davon loszukommen. Doch irgendwann wird das Scrollen, Posten, Kommentieren, etc. zu viel und unser Gehirn kann nicht mehr abschalten. Durch dieses ständige Multitasking nimmt zudem auch unsere Konzentrationsfähigkeit ab. Dass die Konzentrationsfähigkeit in unserer Gesellschaft in den letzten Jahren im Schnitt schlechter geworden ist, zeigen mehrere Studien aus der Verhaltens- und Hirnforschung. Dafür sind Smartphone und Co. sicher nicht der einzige Grund, aber vermutlich einer der wichtigsten. Dies betont auch die Schweizer Neurowissenschaftlerin und Hirnforscherin Barbara Studer, die sich intensiv mit dem Gehirn und wie wir es gesund erhalten, beschäftigt. So zeige sich z.B. in Verhaltenstests, dass Menschen weniger lang konzentriert an einer Aufgabe bleiben können als früher. Sie brechen schneller ab, machen mehr Fehler oder benötigen mehr Zeit, bis sie fertig sind.
Das Gehirn liebt es bequem
Unser Gehirn ist ein wahrer Energiefresser. Obwohl es nur zirka zwei Prozent von unserem Körpergewicht ausmacht, verbraucht es rund 20 Prozent der gesamten Energie. Und wenn unser Gehirn nicht auf Sparsamkeit ausgerichtet wäre, wären es noch mehr. Das Gehirn ist deshalb immer bestrebt Energie zu sparen. Kein Wunder also gibt es gerne Dinge ab und mag Routinen. Das macht aus Evolutionssicht auch absolut Sinn, denn das Gehirn hat sich in erster Linie entwickelt, um unser Überleben zu sichern. Aber für uns ist das nicht unbedingt immer ein Vorteil, wie wir an kleinen Dingen im Alltag feststellen können. Oder wer hat nicht auch schon bemerkt, dass er z.B. plötzlich die Telefonnummern, seiner engsten Freunde nicht mehr auswendig kennt, was früher kein Problem war. Aber seit sie im Adressbuch des Smartphones abgespeichert sind, sind sie vergessen. Oder wir mögen es nicht, wenn wir auf unserem Arbeitsweg plötzlich eine anderes Route wählen müssen, wegen einer Baustelle oder Stau, unser Gehirn möchte lieber auf der gewohnten Strecke zur Arbeit fahren. Wenn wir etwas Neues ausprobieren, interpretiert die Amygdala – das Gefahrenzentrum des Gehirns – dies nämlich als potenzielle Gefahr. Sie aktiviert den Kampf- und Fluchtmodus und überschwemmt den Körper mit den Stresshormonen Cortisol und Adrenalin. Gleichzeitig beruhigt das Festhalten an Routinen die Amygdala und signalisiert Sicherheit. Aus dem Grund mag das Gehirn keine Veränderungen, selbst wenn sie für uns von Vorteil wären. Über 80 Prozent von allem, was wir tun, erledigen wir automatisch, ohne näher darüber nachzudenken. Unser Gehirn möchte am liebsten alles in Routine verwandeln, denn Routinen helfen dem Gehirn Energie zu sparen und Risiken zu minimieren.
Unser Gehirn täglich herausfordern
Das Gehirn benötigt immer wieder Training und Herausforderungen, es muss beansprucht werden, damit es fit bleibt. Es gehört zu den wichtigsten Erkenntnissen der Neurowissenschaft der letzten Jahrzehnte, dass das Gehirn dynamischer und flexibler ist als ein Muskel, der sich ebenfalls durch Beanspruchung bildet. Das Gehirn muss Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Erleben, Entscheiden und Handeln können, um gesund zu bleiben.
Folgende Tätigkeiten fordern und fördern unser Gehirn und sollten deshalb regelmässig im Alltag eingebaut werden:
- Neues lernen, z.B. eine neue Sprache, ein Musikinstrument, ...
- Ausdauersport, z.B. laufen, schwimmen, radfahren, …
- Kreative Tätigkeiten wie basteln, malen, zeichnen, musizieren, …
- Sich mit Freunden treffen und austauschen
- Bewegung an der frischen Luft
- Genügend und regelmässiger Schlaf
- Lesen und schreiben, z.B. selbst Geschichten oder Gedichte verfassen
- Tanzen
- Motorik trainieren, z.B. als Rechtshänderin bewusst mit der linken Hand die Zähne putzen
Digitale Medien und Hilfsmittel bewusst und gezielt nutzen
Digitale Medien und Hilfsmittel machen uns nicht automatisch dumm. Aber sie verändern unsere Denkgewohnheiten. Unser Gehirn passt sich an eine Welt an, in der Informationen jederzeit verfügbar sind — mit Chancen und Risiken zugleich. Wichtig ist deshalb, dass wir uns das immer wieder bewusst machen und diese Technologien gezielt nutzen. Es geht darum, dass wir die Technologie kontrollieren und nicht sie uns.
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- Autor/in:
- Simone Walther Büel
- Tags zum Bericht:
-
Blog
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