Pflanzenporträt: Echte Kamille (Matricaria recutita oder Matricaria chamomilla)
Die Kamille begleitet uns bereits seit der Altsteinzeit. Ihre Samen überdauern im Boden bis zu 100 Jahre. Mit ihrem zarten Duft und den goldgelben Blütenköpfchen gehört die Echte Kamille (Matricaria recutita) zu den bekanntesten und beliebtesten Heilpflanzen Europas. Sie zeichnet sich durch vielseitige Eigenschaften aus, wirkt beruhigend, entzündungshemmend, wundheilend, krampflösend, antiseptisch, schmerzlindernd und menstruationsregulierend.
Von Simone Walther Büel Diplomierte Journalistin/Mitarbeiterin Marketing Services & Kommunikation bei der ebi-pharm ag
Zuordnung, Vorkommen und Aussehen
Die Echte Kamille (Matricaria recutita, historisch Matricaria chamomilla), gehört wie die ihr ähnelnde Margerite und das Gänseblümchen zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und zur Gattung Matricaria, die mehrere Arten umfasst. Es gibt jedoch auch noch weitere Kamillenarten wie die Hundskamille (Anthemis arvensis), die Römische Kamille (Chamaemelum nobile) oder die Geruchlose Kamille (Tripleurospermum inodorum). Von diesen besitzt insbesondere die Römische Kamille ebenfalls ausgeprägte Heilwirkungen. Die Hundskamille hingegen gilt als leicht giftig und verströmt einen eher unangenehmen Geruch oder riecht kaum.
Die Echte Kamille ist eine einjährige krautige Pflanze, die zwischen 15 und 50 Zentimeter hoch werden kann. Sie wächst in fast ganz Europa bis auf eine Höhe von 1600 Metern. Ursprünglich kommt die Kamille aus Süd- und Osteuropa, aber sie ist schon lange auch in Mitteleuropa heimisch. In vielen Ländern wird sie angebaut, weil ihre Blüten überall für Kräutertees begehrt sind. Ein wichtiges Anbauland ist Frankreich.
Die Kamille wächst auf nährstoffreichen Böden, insbesondere an Ackerrändern, auf Brachflächen und in Getreidefeldern. Als Pionierpflanze liebt sie offene, sonnige Standorte. Die gefiederten Blätter der Echten Kamille sind fein geteilt und fast schon farnartig anmutend. Die Blütenköpfchen bestehen aus weissen Zungenblüten und einer leuchtend gelben Mitte – dem typischen Korbblütenstand. Charakteristisch für die Echte Kamille ist der hohle Blütenboden und der aromatische, apfelähnliche Duft.
Verwechslung mit anderen Kamillensorten vermeiden
Auf den ersten Blick hat die Echte Kamille so einige Doppelgänger. Den starken Duft nach Kamille und das typische Aussehen mit den weiss-gelben Korbblüten teilt sie sich jedoch nur mit der Römischen Kamille, die ihr in Sachen Wirksamkeit in nichts nachsteht. Ein zuverlässiges Merkmal, an dem man die Echte Kamille erkennen kann, ist der hohle Körbchenboden. Diesen besitzt sonst nur die Strahlenlose Kamille, die sich jedoch auf den ersten Blick von der Echten Kamille unterscheiden lässt, da sie keine weissen Zungenblüten hat. Am besten hat man immer ein Messer zur Hand, wenn man Kamille in der Natur sammelt. Durch einen Querschnitt durch die Blüte lässt sich die Echte Kamille sicher erkennen.
Andere Kamillenarten, die man mit der Echten Kamille verwechseln könnte und wie man sie unterscheiden kann:
- Römische Kamille (gefüllter Körbchenboden)
- Hundskamillen (gefüllter Körbchenboden)
- Geruchlose Kamille (gefüllter Körbchenboden)
- Strahlenlose Kamille (fehlende weisse Zungenblüten)
Die verschiedenen Namen der Kamille und deren Bedeutung
Der botanische Name Matricaria deutet auf die medizinische Verwendung der Kamille hin. Die Silbe Matri wird von der lateinischen Vokabel Matrix (Gebärmutter) abgeleitet, da Kamille in der Vergangenheit vor allem als Hausmittel für diverse Frauenleiden wie Menstruations- und Schwangerschaftsbeschwerden bekannt war. Auch der deutsche Name «Mutterkraut» weisst auf diese Verwendung hin. Caria wiederum geht auf die Vokabel cara, die mit lieb oder teuer übersetzt wird, zurück.
Das Wort Kamille stammt ursprünglich aus dem Griechischen «Chamaímêlon» und wird mit «am Boden wachsender Apfel» übersetzt, da Botaniker vergangener Epochen fanden, dass der Duft von Kamille entfernt an Äpfel erinnert. Bis sich aus der griechischen Vokabel das heutige Wort Kamille entwickelte, verging jedoch noch einige Zeit. Zunächst wurde das Wort vom lateinischen Sprachschatz als Camomilla übernommen, bis sich daraus schliesslich der mittelhochdeutsche Begriff «Gamille» entwickelte, der dann zu Kamille wurde. Übrigens, ein weiterer Volksname von Kamille ist «Apfelkraut», womit auch wieder auf den leichten Apfelduft verwiesen wird. Auch unter den Namen «Kummerblume», «Kuhmelle» und «Muskatblume» ist die Kamille noch bekannt.
Verwendung in der Volksmedizin
Die Echte Kamille gilt seit Jahrhunderten als Universalheilmittel. In der Volksmedizin wird sie innerlich bei Magen-Darm-Beschwerden, Menstruationsschmerzen, Schlaflosigkeit und Nervosität angewendet – als Tee, Tinktur oder in homöopathischer Form. Äusserlich kommt sie in Form von Umschlägen, Dampfbädern oder Salben bei Hautentzündungen, Ekzemen und Schleimhautreizungen zum Einsatz.
Besonders hervorzuheben ist ihre entzündungshemmende und krampflösende Wirkung. Sie kann sowohl bei gereizter Haut als auch bei nervösem Magen lindernd wirken – eine Eigenschaft, die sie zu einer der wichtigsten Heilpflanzen in der Hausapotheke macht.
Die relevanten Wirkstoffe der Kamille sind gleichermassen in den Blüten wie auch in den Blättern vorhanden. Verwendung finden jedoch vorwiegend die getrockneten oder auch die frischen Blüten, wobei aus Dosierungsgründen immer die trockenen bevorzugt werden sollten.
Die Römische Kamille (Chamaemelum nobile) besitzt ähnliche Heilkräfte wie die Echte Kamille, wird jedoch weniger häufig verwendet. Ihre Wirkung ist ebenfalls beruhigend und entzündungshemmend – sie findet sich häufiger in kosmetischen Anwendungen oder als Bestandteil in Bachblütenessenzen.
Das Wesen der Pflanze
Vom Wesen der Pflanze her vermittelt die Kamille ein Gefühl mütterlicher Geborgenheit, indem sie eine übersteigerte innere oder äussere Sinnesempfindlichkeit dämpft und Krampfzustände durch milde Wärme löst. Das schreiben Roger und Hildegard Kalbermatten in ihrem Buch «Pflanzliche Urtinkturen – Wesen und Anwendung». Bei einer gesteigerten Sinnesempfindlichkeit erscheinen Mitmenschen, Situationen und Umwelt sowie der eigene Körper in einem grellen, übertriebenen Bild. Dann fühlt man sich angreifbar und ungeborgen, man ist sehr schmerzempfindlich, reizbar und reagiert bei geringstem Anlass ärgerlich und ungeduldig. In diesen Situationen vermittelt die Kamille eine ruhevolle Sanftheit und lindert entzündliche und krampfartige Prozesse.
Inhaltsstoffe
Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen, welche die Blüten der Echten Kamille enthalten, zählen:
- Ätherische Öle: Bisabolol, Bisaboloxide, Matricin, (Chamazulen - ein Bestandteil im ätherischen Öl der Kamille, er entsteht bei der Wasserdampfdestillation der Blüten aus Matricin und verleiht dem Öl seine typisch tiefblaue Farbe)
- Flavonide: Apigenin, Luteolin, Quercitrin
- Schleimstoffe
- Cumarine
Symbolik und Mythologie
Die Kamille steht in der Blumensprache für Geduld, Ruhe und Genesung. In vielen Kulturen wurde sie als heilige Pflanze angesehen – ein Symbol für Licht, Wärme und Hoffnung. Schon die alten Ägypter kannten die Kamille und verehrten sie als Blume des Sonnengottes. Vor Schönheitsbehandlungen servierte man Kamillentee.
Im Spätmittelalter und in Kräuterbüchern von Klöstern wird stets die entzündungshemmende und heilende Wirkung der Pflanze hervorgehoben. Der Volksglaube besagte, dass Kamillenblüten vor Johanni (24. Juni) gepflückt werden sollten, da nach diesem Tag der «böse Krebs» über die Felder flog. Ebenfalls vor Johanni band man Kamillen-Sträusschen und verschenkte sie. Sie sollten vor Unglück und Schaden schützen. In die erste Garbe Heu steckte man Kamille und Johanniskraut, dann blieb Ungeziefer fern.
Auch heute noch ist die Echte Kamille ein Symbol für natürliche Heilung und ein fester Bestandteil vieler traditioneller Hausmittel.
Die Echte Kamille in der Küche
Die Kamille wird eher selten als Gewürz- oder Küchenkraut verwendet, eigentlich zu Unrecht, denn sowohl die Blätter wie auch die Blütenknospen sind essbar und sehr empfehlenswert.
Kamillenblätter können als Gewürz für herzhafte Suppen, Eierspeisen oder für Kräuterquarks verwendet werden. Die Blätter haben einen feinwürzigen, mitunter dezent salzigen bis ziemlich bitteren Geschmack und sollten ausschliesslich frisch verwendet werden.
Die jungen Blütenknopsen können als Gemüse zubereitet werden. Hierzu legt man sie etwa 20 Minuten in Wasser ein und brät sie auf kleiner Stufe mit einem geschmackvollen Öl (z.B. Olivenöl) an.
Frische Kamillenblüten passen gut als Beilage in einen Wildkräutersalat. Die Blüten schmecken mild und erinnern an den Geschmack von Kamillentee. Gelegentlich werden Kamillenblüten auch zur Dekoration von Desserts verwendet. Eine sehr schmackhafte Süssigkeit im Sommer ist Kamilleneis. Hierfür werden frische Kamillenblüten – gerne in Verbindung mit frischen Malvenblüten – zunächst schonend in einem Wasserbad gekocht. Der Sud wird zuerst mit Honig und danach mit Joghurt oder Rahm vermischt. Abgeschmeckt werden kann mit Zitronen- oder Limettensaft. Danach kommt die Masse in den Tiefkühler.
Literatur:
«Pflanzliche Urtinkturen – Wesen und Anwendung», Roger und Hildegard Kalbermatten, ISBN 978-3-03800-601-5Die Kräuter in meinem Garten, Siegrid Hirsch & Felix Grünberger, ISBN 3-8289-2128-0
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- Autor/in:
- Simone Walther Büel
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