Pflanzenporträt: Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum)
In unserer Serie Pflanzenporträt stellen wir Ihnen verschiedene Heilpflanzen näher vor. Dieses Mal möchten wir die Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) oder bei uns auch Cassis genannt, porträtieren. Die Pflanze kann mit vielen positiven Eigenschaften auftrumpfen, z.B. mit einem hohen Gehalt an Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen. Ihre Blätter, Knospen und Früchte gelten in der Volksmedizin als stärkend, entzündungshemmend und vitalisierend.

Vorkommen, Aussehen und Zuordnung
Die Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) gehört zur Pflanzenfamilie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae). Ursprünglich stammt sie aus Mittel- und Nordeuropa sowie aus Teilen Asiens. Heute wird sie in vielen gemässigten Regionen kultiviert und kommt vereinzelt auch verwildert vor.
Sie wächst bevorzugt auf humusreichen, frischen und nährstoffhaltigen Böden an sonnigen bis halbschattigen Standorten. Man findet sie in Gärten, an Waldrändern, in Heckenlandschaften sowie auf feuchten Böden entlang von Bachläufen.
Die Schwarze Johannisbeere ist ein sommergrüner, mehrjähriger Strauch und erreicht Höhen von etwa 1 bis 2 Metern. Sie wächst buschig mit zahlreichen aufrechten bis leicht überhängenden Trieben. Die handförmig gelappten Blätter sind weich behaart und verströmen beim Zerreiben einen charakteristischen, würzigen Duft.
Von April bis Mai erscheinen unscheinbare, grünlich-rötliche Blüten in hängenden Trauben. Daraus entwickeln sich im Sommer die dunkelvioletten bis schwarzen Beeren. Sie besitzen ein intensives, herb-fruchtiges Aroma und sind reich an wertvollen Inhaltsstoffen.
Eine Beere mit klangvollem Namen
Der botanische Name Ribes stammt vermutlich aus dem Arabischen und wurde ursprünglich für säuerliche Pflanzen verwendet. Der Artname nigrum bedeutet «schwarz» und verweist auf die dunkle Farbe der reifen Früchte. Der deutsche Name Schwarze Johannisbeere hängt mit dem Johannistag am 24. Juni zusammen. Um diese Zeit tragen frühe Sorten ihre reifen Früchte.
Weitere Namen für die Schwarze Johannisbeere sind Cassis, Ahlbeere, Gichtbeere, Schwarze Träuble, Wanzenbeere, Bocksbeere, Stinkstruk. Diese drei letzten nicht so schmeichelhaften Namen hat sie wegen ihrem Geruch erhalten, entweder man mag ihn oder findet ihn widerlich. Im englischen heisst die Schwarze Johannisbeere Quinsybeere (quinsy = Mandelentzündung) und verweist damit auf ihre Heilwirkung.
Die Verwendung in der Volksmedizin
Die Schwarze Johannisbeere zählt zu den wertvollen Vitamin- und Stärkungspflanzen der europäischen Volksmedizin. Verwendet werden vor allem die Früchte, Blätter und Knospen.
Innerlich werden die Beeren zur Unterstützung des Immunsystems, bei Erkältungsneigung, allgemeiner Schwäche sowie zur Kräftigung eingesetzt. Dank ihres hohen Gehalts an Vitamin C werden sie besonders in der kalten Jahreszeit geschätzt. Eine Zitrone wirkt neben der Schwarzen Johannisbeere nämlich richtig bescheiden. Während Zitrusfrüchte etwa 50 mg Vitamin C pro 100 g liefern, hat die dunkle Beere einen Gehalt von 180 mg / 100 g. Und zwar in einer Form, die besonders gut verwertbar ist, weil die in der Frucht enthaltenen Flavonoide das Vitamin schützen und länger stabil halten.
Die Blätter der Schwarzen Johannisbeere gelten als harntreibend und stoffwechselanregend. Sie finden Anwendung bei rheumatischen Beschwerden, Gicht und zur Unterstützung der Ausscheidung.
In der Gemmotherapie – einer Heilmethode mit frischen Pflanzenknospen – werden die Knospen der Schwarzen Johannisbeere besonders geschätzt. Sie gelten als tonisierend und regulierend und werden traditionell bei Erschöpfung, Allergieneigung und entzündlichen Beschwerden eingesetzt.
Inhaltsstoffe
Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Schwarzen Johannisbeere sind:
- Anthocyane (v. a. Delphinidin-3-rutinosid, Cyanidin-3-rutinosid)
- Flavonoide
- Polyphenole
- Vitamin C
- Vitamin E
- Gerbstoffe
- Terpene (v. a. aus dem Blattöl)
- Gamma Linolensäure (im Samenöl)
- Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren (im Samenöl)
- Pektine
- Fruchtsäuren
- Kalium
- Calcium
- Magnesium
- Eisen
- Betacarotin
Das Wesen der Pflanze
Vom Wesen der Pflanze her steht die Schwarze Johannisbeere für Einheit, Symbiose, Abweisung von Widersprüchen. Das Wesen von Ribes nigrum symbolisiert das Verlangen nach einer symbiotischen Einheit mit Gleichgesinnten, in der Widersprüche und Gegensätze nicht akzeptiert werden können. Der Ribes-nigrum Typ leidet unter der Polarität und Widersprüchlichkeit des Lebens und sehnt sich nach bedingungsloser Liebe.
In der positiven Gestalt dieses Wesens erkennen wir Charaktereigenschaften wie die Neigung zum Bewahren, mütterliches Umfangen, Hingabe, wohltuende Freigiebigkeit. In der übersteigerten negativen Form sehen wir Habgier, Eigenliebe sowie vereinnahmende Tendenzen.
Die Wesenskräfte der Schwarzen Johannisbeere unterstützen Menschen mit dem beschriebenen Bedürfnis nach Einheit und Verschmelzung bei der Bewältigung der schmerzlichen Erfahrungen, die sich aus der Begegnung mit Widersprüchen und Gegensätzen zwangsläufig ergeben.
Die Schwarze Johannisbeere in der Mythologie
Beerensträucher galten seit jeher als Pflanzen des Schutzes und der Fruchtbarkeit. In bäuerlichen Kulturen pflanzte man Johannisbeersträucher in die Nähe des Hauses, da sie Wohlstand und Gesundheit fördern sollten.
Ihre dunklen Früchte wurden als Speicher von Sonnenkraft betrachtet, gesammelt in kleinen Kugeln. Man schrieb ihnen die Fähigkeit zu, nach dem Winter neue Stärke zu schenken.
Die Schwarze Johannisbeere in der Küche
Die Früchte der Schwarzen Johannisbeere sind vielseitig verwendbar. Sie eignen sich hervorragend für Sirup, Gelee, Konfitüre, Saft, Sorbet oder Kompott. Auch in Desserts, Joghurts oder Müesli setzen sie aromatische Akzente.
Besonders beliebt ist ihr kräftiger Geschmack in Kombination mit Äpfeln, Birnen oder anderen Sommerbeeren.
Da die Beeren reich an Vitamin C und sekundären Pflanzenstoffen sind, eignen sie sich hervorragend zur Unterstützung einer vitalstoffreichen Ernährung.
Zudem lässt sich aus den Blättern der Schwarzen Johannisbeere ein aromatischer Kräutertee zubereiten.
Literatur
«Pflanzliche Urtinkturen – Wesen und Anwendung», Roger und Hildegard Kalbermatten, ISBN 978-3-03800-601-5
Pflanzliche Urtinkturen
Die Kräuter in meinem Garten, Siegrid Hirsch & Felix Grünberger, ISBN 3-8289-2128-0
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- Simone Walther Büel
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